Häufige Jobwechsel und Auszeiten im Job erklären: So machen Sie es richtig

Häufige Jobwechsel: Richtig erklärt kein Problem.
Häufige Jobwechsel: Richtig erklärt sind sie nicht zwingend ein Problem.

Häufige Jobwechsel könnten zum Nachteil für die Karriere werden: Diese gut gemeinte Warnung lesen Arbeitnehmer in Karriere-Ratgebern immer wieder. Gleiches gelte für Lücken im Lebenslauf, also für Zeiträume, in denen man keiner Beschäftigung nachging.

Häufige Jobwechsel könnten zum Nachteil für die Karriere werden: Diese gut gemeinte Warnung lesen Arbeitnehmer in Karriere-Ratgebern immer wieder. Gleiches gelte für Lücken im Lebenslauf, also für Zeiträume, in denen man keiner Beschäftigung nachging.
 

Jobwechsel sind in guten Zeiten häufiger

Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Brummt der Arbeitsmarkt, werden Jobwechsel generell häufiger. 2017 wechselten rechnerisch 32 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihren Job. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. Am höchsten ist die Fluktuation in der Arbeitnehmerüberlassung, gefolgt von Land- und Forstwirtschaft und Gastgewerbe. Doch hätten Sie gedacht, dass der Bereich Information und Kommunikation gleich an vierter Stelle folgt? Kein Wunder, denn IT-Spezialisten sind gefragt wie nie


Bei jüngeren Arbeitnehmern sind schnelle Jobwechsel besonders verbreitet. Älteren Erwerbstätigen bescheinigt die Statistik ebenfalls eine höhere Fluktuation. Das liegt daran, dass in dieser Generation viele Menschen in den Ruhestand wechseln und ihre Positionen deshalb neu besetzt werden müssen.
 

Zufrieden und dennoch bereit zum Jobwechsel

Spannend ist, dass die Arbeitnehmer in Deutschland zufrieden sind und dennoch wechselwillig. Eine repräsentative Studie hat Anfang 2019 ergeben, dass 85 Prozent der Berufstätigen zufrieden mit ihrem Job sind - und dennoch jeder Dritte offen für einen Jobwechsel ist. Ausgelöst wird die Wechselbereitschaft oft durch den Wunsch nach einem attraktiven Gehalt (85 Prozent der Wechselwilligen nannten das relevant). Auf den weiteren Plätzen folgen:

  • ein guter Zusammenhalt im Team (81 Prozent)
  • ein gutes Vorgesetztenverhalten (74 Prozent)

Weitere Gründe unterscheiden sich je nach Alter. Jüngeren sind Weiterbildungs- und Aufstiegschancen wichtiger, Eltern ein kurzer Arbeitsweg und flexible Arbeitszeiten.

Alles Gründe, die nachvollziehbar sind - und interessant, auch für den Personaler, mit dem Sie sich im Vorstellungsgespräch unterhalten. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Sie im Gespräch mit der beliebten Frage konfrontiert werden:

"Warum wollen Sie den Job wechseln?"

Wichtig ist, dass Sie auf diese Frage authentisch und überzeugend antworten können. All die oben aufgeführten Gründe können hier natürlich eine Rolle spielen. Viele Personaler und Entscheider werden es verstehen, dass ganz persönliche Motive eine Rolle spielen. Doch es gibt auch professionelle Gründe, die Sie hier nennen können:

  • Ihre Jobwechsel haben dazu beigetragen, dass Sie Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmen, Fachgebieten oder Branchen sammeln konnten.
  • Ihre Jobwechsel haben dazu beigetragen, dass Sie sich beruflich weiterentwickeln konnten.
  • Sie wollten mehr Verantwortung übernehmen.

Wer seine häufigen Jobwechsel so erklärt, wirkt nicht sprunghaft, sondern unterstreicht damit die eigenen Soft Skills.
 

Häufige Jobwechsel können auch vorteilhaft wirken

Keine Sorge: Dass Sie innerhalb eines Jahrzehnts mehrfach den Job gewechselt haben muss kein Nachteil im Bewerbungsprozess sein. Im Gegenteil. Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Wunsch-Arbeitgebers. Mit der notwendigen Empathie können Sie herausarbeiten:

"Welche positive Motivation, die mein künftiger Arbeitgeber schätzen wird, hat dazu beigetragen, dass ich mehrfach den Job gewechselt habe?"

Nehmen Sie einen Zettel, schreiben Sie die Antwort auf diese Frage auf und beschäftigen Sie sich ein wenig damit. Das nimmt der beliebten Personaler-Frage ihren Überraschungseffekt. (Und überraschend ist die Frage ja nicht wirklich - sie gehört zum Standard-Repertoire.)
 

Keine Angst vor Lücken im Lebenslauf

Gleiches gilt auch für die Frage nach Auszeiten, den berüchtigten Lücken im Lebenslauf. Ihre Bewerbung wird nicht einfach aussortiert, nur, weil Sie keine absolut lückenlose Abfolge von Festanstellungen in Ihrem Lebenslauf aufführen können. Menschen sind individuell - und das sind auch ihre Lebensläufe.

  • Sie haben sich um die Familie gekümmert? Das ist nachvollziehbar.
  • Sie haben sich weitergebildet? Das ist positiv. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger.
  • Sie haben Ihren Horizont erweitert, etwa im Rahmen einer längeren Reise? Gut vermittelt kommt das als willensstark und offen herüber.
  • Es gab die Notwendigkeit, sich zu engagieren, sich um etwas zu kümmern, jemanden zu unterstützen, eine Krankheit zu bewältigen? Sofern das nicht zu persönlich ist: Sagen Sie es. Überlegen Sie aber vorher, wie offen Sie sein möchten - das ist einzig Ihre Entscheidung. Niemand erwartet, dass Sie allzu Privates offenlegen.

Vereinzelt werden Sie im Web auf Tipps stoßen, die dahin gehen, Monatsangaben im Lebenslauf wegzulassen oder mehrere Positionen in einem Zeitraum zusammenzufassen. Das wird in aller Regel für kritische Rückfragen sorgen und kann im schlimmsten Fall vertuschend wirken.
 

Zum eigenen Lebenslauf stehen

Besser ist es, zum eigenen Lebenslauf zu stehen und das Positive, die persönlichen Stärken, die eigene Motivation und die gesammelten Erfahrungen in den Vordergrund zu rücken.
 

Jobhopping: Das Klischee

Seit einigen Jahren geistert der Begriff Jobhopping durch die Medien und Karriereblogs - ein Schreckgespenst, dem zu große Bedeutung beigemessen wird. Die Ironie dabei: Während Medien und Blogs gern groß und breit über das angebliche Phänomen Jobhopping berichten, zeigt bereits eine kurze Recherche mit Google Trends: In Deutschland interessieren sich die Menschen gar nicht für diesen Begriff. Es haben so wenige Menschen danach gegoogelt, dass Google Trends gar keine Ergebnisse dazu anzeigt.

Hört und liest man die Statements der Personaler, die sich dazu geäußert haben, wird deutlich: Personalverantwortliche betrachten häufige Jobwechsel differenziert. Sie möchten die Wechsel allerdings richtig einordnen können.
 

Häufige Jobwechsel zeigen Flexibilität

Wenn ein und dieselbe Person den identischen Job innerhalb kürzester Zeit immer wieder ausübt, nur bei unterschiedlichen Unternehmen, dann kann das sprunghaft wirken. Doch andererseits: Benennen Bewerber im persönlichen Gespräch konstruktive, schlüssige Gründe dafür, dass häufige Jobwechsel oder auch eine Auszeit ohne Berufstätigkeit in ihrem Lebenslauf vorkommen, so werden abwägende Personalverantwortliche nicht gleich den Stempel "Jobhopper" zücken.

Im Gegenteil: Je nach Unternehmenskultur kann die Bereitschaft zum häufigen Jobwechsel sogar als Motiviertheit, Flexibilität und Veränderungsbereitschaft ausgelegt werden - das sind alles Eigenschaften, die Unternehmen an Mitarbeitern außerordentlich schätzen.