Vorstellungsgespräch als Web-Entwickler: Diese 10 Fragen erwarten Bewerber

webentwickler_vorstellungsgespraech

Web-Entwickler sind gefragte und begehrte Mitarbeiter. Doch auf welche Fragen im Vorstellungsgespräch sollten sich Developer einstellen?

Websites, Online-Datenbanken, Shops: Sie alle basieren auf komplexer Programmierung. Solche Anwendungen müssen geplant, erstellt und gewartet werden. Dazu benötigen Unternehmen Web-Entwickler, die über IT-Kenntnisse und großes Verantwortungsbewusstsein verfügen.

Web Apps müssen verlässlich rund um die Uhr funktionieren. Mit der Funktionsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit der Anwendung steht und fällt der Erfolg ganzer Unternehmen. Aus diesem Grund achten Arbeitgeber bei der Auswahl neuer Web-Entwickler sehr genau auf viele, unterschiedliche Details.

Entsprechen die Angaben im Lebenslauf dem, was der Bewerber an Kenntnissen zu Online Usability, Serveradministration, Programmiersprachen, Javascript oder Content-Management-Systemen vorgibt? Der Umstand, dass solche Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, eröffnet Web-Entwicklern attraktive Chancen.

Die Stellenangebote sind vielfältig und laden dazu ein, sich einen Karriereeinstieg in verschiedenen Unternehmen vorstellen zu können. Davor steht allerdings die Hürde den Bewerbungsprozess mit den entsprechenden Vorstellungsgesprächen erfolgreich zu absolvieren.
 

Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch als Web Developer

Dazu gehört das ausführliche Studium der Website des Unternehmens sowie anderer öffentlicher Quellen. Informationen über das Personal, Technologien sowie Kunden sind wertvoll. Um sich optimal vorzubereiten, ist es wichtig, das entscheidende Vorstellungsgespräch gedanklich durchzuspielen.
 

Dazu stellen wir hier 10 Fragen vor, die so oder anders in einem Vorstellungsgespräch als Web-Entwickler gestellt werden könnten.
 

1. Wie würden Sie Ihrer Großmutter Ihren Job als Web-Entwickler erklären?

Die Großmutter steht für eine Person, die über keinerlei technisches Verständnis für die Technologie des Internets verfügt.

Es wird nach zwei unterschiedlichen Fähigkeiten des Bewerbers gefragt:

  • Zum einen, wie gut der Developer von seiner eigenen Tätigkeit abstrahieren kann und wortwörtlich weiß, was er da eigentlich macht.
  • Zum anderen geht es um die Fähigkeit, sich als Web-Entwickler in andere Menschen hineinzuversetzen sowie deren Wissens- und Erfahrungshorizont einschätzen zu können.

Wer nur Fachchinesisch spricht und bei Verständnisproblemen unwirsch oder unsicher wird, hat ein Kommunikationsproblem. Das ist innerhalb des Unternehmens und im Kundenkontakt keine Option.
 

2. Welche Fragen würden Sie einem Kunden stellen, wenn er eine Idee für eine Webanwendung entwickelt hat und eine Umsetzung anstrebt?

Es muss sich bei diesem Szenario nicht um einen echten Kunden handeln. Auch andere Abteilungen oder Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen sollten wie Kunden behandelt werden. Die Frage zielt auf die Fähigkeit des Bewerbers ab, wie er sein Expertenwissen entfalten kann.

Beauftragungen im Bereich Web-Entwicklung werden oft nicht von IT-Experten erteilt, sondern aus dem Marketing, der Personalabteilung, der PR oder Sachbearbeitern anderer Abteilungen. Diese haben ein Ziel und eine vage Vorstellung, wie das technisch erreichbar ist. Sie brauchen Rat und Tat bei der Umsetzung.

Die Aufgabe eines Web-Entwicklers besteht darin, durch Fragen alles über die Motivation des Kunden zu erfahren. Dabei geht es auch um Voraussetzungen technischer oder prozessualer Natur. Nur wer weiß, was der Kunde will, kann unter Berücksichtigung des Kostenfaktors einen validen Weg vorschlagen, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
 

3. Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung einer Website?

Ein Web-Entwickler sollte an dieser Stelle die Chance nutzen, seine Expertise und sein Urteilsvermögen unter Beweis zu stellen. Ist die Abstimmung zwischen Kundenzielen, Technik, Design und Nutzersicht die größte Herausforderung? Oder sind es technische Aufgaben wie die lästige Browserkompatibilität oder Skalierbarkeit der Anwendung? Ist es generell die Sicherheit solcher Anwendungen gegen Angriffe von außen? Oder geht von den sich ständig wandelnden rechtlichen Rahmenbedingungen wie Datenschutz, Barrierefreiheit usw. eine Problematik aus? Mehrsprachigkeit? Problematik der Updates von individualisierter Standardsoftware, z.B. bei umprogrammierten WordPress-Plugins?

Auf diese Details sollten Web-Entwickler leicht antworten können. Bei der Beurteilung stehen für Unternehmen die Kosten an oberster Stelle: für die Programmierung, bei Haftungsfragen, beim Kundenerfolg.
 

4. Welche Unterschiede sehen Sie bei der Entwicklung für das Frontend oder für das Backend?

Ein angehender Web Developer wird hier die unterschiedlichen Prioritäten zwischen dem öffentlichen Teil einer Website und dem nichtöffentlichen technischen Rückgrat betonen. Frontend Developer müssen stark auf Design- und Usability-Vorgaben eingehen. Bei der Backend-Programmierung geht es eher um Stabilität, Serverstruktur, geringe Latenzzeiten und die entsprechenden Programmierkenntnisse, um die Anforderungen zu erfüllen.
 

5. Für wie wichtig halten Sie das Thema Dokumentation?

Die Dokumentation ist bei der Programmierung von Web-Anwendungen zweifellos ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeit. Die Frage zielt daher eher darauf ab, wie ein Web-Entwickler dieser Notwendigkeit nachkommt. Daher sollten Bewerber hier ihre persönlichen Erfahrungen mit Tools und Prozessen vorbringen.
 

6. Nun zu einer technischen Frage...

Wie lange dauert es, um ein Element abzurufen, das in HashMap, einem binary tree und einer linked list gespeichert ist? Wie ändert sich das bei einer wachsenden Zahl an Einträgen? Was ist der Unterschied zwischen „Overriding“ und „Overloading“ oder zwischen dem Forking und dem Spawning eines Threads? Wie wehrt man Hackerangriffe ab? Solche Fragen können kommen, in Abhängigkeit der Technologie, auf die sich der Bewerber und das Unternehmen spezialisiert haben: HTML, CSS, JavaScript, PHP, C++ usw.

Noch ein Tipp: Wenn man eine spezielle Technikfrage nicht beantworten kann, dann sollte man das eingestehen. Sie können ja gleichzeitig einen Weg aufzeigen, wie man diese Lücke schließen kann, zum Beispiel mit Wissensdatenbanken, die die entsprechende Information liefern.
 

7. Wie halten Sie sich auf dem Laufenden?

Twitter, Blogs, Foren, Newsletter und nicht zuletzt RSS - das Internet bietet viele Möglichkeiten, aktuelle Entwicklungen und Diskussionen zu verfolgen. Entwickler von Online-Anwendungen sollten Teil einer Community sein oder zumindest wissen, wo im Web die zentralen Knoten der Wissensvermittlung zu finden sind. Neue Methoden, neue juristische Rahmenbedingungen, neue Business-Modelle, neue Trends bei Nutzerwartungen - das sind Beispiele, warum Web-Entwickler auf der Höhe der Zeit sein müssen.
 

8. Können Sie uns ein schwieriges Web-Projekt beschreiben, an dem Sie beteiligt waren und das bei der Entwicklung große Probleme aufwarf?

Was waren die Gründe und wie haben haben Sie das gelöst?

Niemand erzählt gerne von Problemen, Schwierigkeiten, Niederlagen. Sie kommen jedoch vor. Das Unternehmen möchte wissen, wie Sie als zukünftiger Web-Entwickler damit umgehen. Wie Sie die Situation analysieren, welche Strategien Sie einsetzen.

Verzichten Sie auf negative Einschätzungen zu Kollegen, Kunden oder Unternehmen. Das ist eine Frage der Loyalität, die auch der neue Arbeitgeber erwartet. Es kann sich um rechtlich relevante Betriebsgeheimnisse handeln oder den Datenschutz tangieren. Ratsam ist, das Problemprojekt allgemein zu beschreiben und von Schuldzuweisungen Abstand zu nehmen.

Softwareprojekte können vielerlei Probleme aufwerfen, die bei Start des Projektes gar nicht bekannt waren:

  • Inkompatibilitäten zwischen neuen und alten Systemen
  • sich ändernde Leistungsanforderungen
  • aus dem Ruder laufende Kosten
  • zu knapp kalkulierte Deadlines
  • holprige Feedbackprozesse zwecks Bugfixing
  • usw.

All diese Probleme sind lösbar. Sie laufen auf eine zentrale Fragestellung hinaus: Wird das Budget gesprengt und wer kommt dafür auf? Bei Lösungsansätzen sollte der effiziente Einsatz von Ressourcen im Mittelpunkt stehen, ohne die grundsätzlichen Ziele in Frage stellen zu müssen.
 

9. Unter welchen Umständen würden Sie einem Kunden zur Programmierung einer Website statt einer Smartphone-App raten?

Die rasante Verbreitung von Smartphones und anderer mobiler Endgeräte hat die Welt des Internets verändert. Mobile first lautet die Strategie vieler Web-Entwickler und Konzeptioner. Scrolling statt Clicking, Wischeffekte, Übertragungsraten - die Unterschiede zwischen stationärem PC und Smartphone sind immens.

Diese Lücke haben die Apps geschlossen, die auf die speziellen Anforderungen der Mobilgeräte zugeschnitten sind. Responsive Webdesign dagegen passt die Ausgabe von Websites an die mobile Welt an. Web-Anwendungen funktionieren unabhängig von Betriebssystemen.

Bei der Entscheidung App oder Website können Web-Entwickler Hinweise geben, wie die konkreten Anforderungen besser bedient werden. Darüber sollte ein Developer Auskunft geben können.
 

10. Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Entwicklung vor?

Für Unternehmen sind Mitarbeiter wertvoll, die sich entwickeln wollen. Diese Strebsamkeit darf sich aber nicht negativ auf das Betriebsklima auswirken. Karrieristen, die ohne Rücksicht auf Verluste nur am eigenen Berufserfolg arbeiten, sind unerwünscht.

Für Berufseinsteiger ist es ratsam, die eigenen Grenzen zu erkennen und diese im Beruf immer weiter zu verschieben. Wer noch nie ein Team geleitet hat, muss sich damit auseinandersetzen, welche Aufgaben diese Position mit sich bringt und welche Fähigkeiten man braucht, um diese zu lösen.

Im Vorstellungsgespräch sollten Sie als Web-Entwickler auf diese Fragestellungen verweisen. Zeigen Sie einen plausiblen Weg auf, wie sich der berufliche Aufstieg organisch entwickeln könnte. Ziele sind spannende Themen, innovative Unternehmen, Mitarbeit an Trendthemen. Monetäre Interessen lässt man besser außen vor. Das ergibt sich von selbst.